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Landkreis Meißen
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09.07.2010 - Eine Reise auf den Spuren der Wendezeit

Es war auch eine Reise mit historischen Wurzeln 20 Jahre zurück für den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich, begleitet von Landrat Arndt Steinbach, durch den Landkreis Meißen.

Besuch der Firma Beschriftungstechnik in Glaubitz

Besuch der Firma Beschriftungstechnik in Glaubitz (v. l.: Landtagsabgeordneter Sebastian Fischer, Firmenchef Frank Gärtner, Ministerpräsident Stanislaw Tillich, Landrat Arndt Steinbach, Bürgermeister Lutz Thiemig.

Mit der Julisonne um die Wette strahlten die Kinder in der Riesaer Kita „Mischka“. Bis vor zwei Jahren empfing der Kindergarten die kleinen Merzdorfer mit DDR-Charme, jetzt steht Kneipp mit Sauna und Wasseranwendungen auf dem Programm. In Regie der Diakonie gehört zur modernisierten Kita ein Mehrgenerationenprojekt mit Café und Sportraum. Trotz Sparprogramms, so der Ministerpräsident, gebe es „Hoffnungen auf weitere Förderung vom Bund für solche Einrichtungen“. Ein am Rande der Bundespräsidentenwahl geführtes Gespräch begründet seinen Optimismus. „Allerdings“, betonte Stanislaw Tillich, „ braucht es dazu überzeugende Angebote.“ Noch fehlen in Riesa einige Steinchen zu einem perfekten Mehrgenerationenmosaik. Doch Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer verspricht Entwicklungen in einem Problemstadtteil, der solche Angebote dringend braucht. Ideen gibt es reichlich, noch fehlt es an engagierten Besuchern.

Von der Nudelbude zur Eventadresse

Die nächste Station der Reise könnte für 20 Jahre deutsche Einheit kaum symbolischer sein. Für die Riesaer „Nudelbude“ gab es 1990 wenig Zukunftshoffnung. Vielleicht erahnte Klaus Freidler, erfolgreicher Unternehmer aus Baden-Württemberg, das Potenzial hinter der denkmalgeschützten Klinkerfassade. Seit Gründung der Teigwaren Riesa GmbH investierte Freidler weit über 50 Millionen Euro und hat immer noch tausend Ideen. Die Fabrik mit Museum, Gaststätte und exquisitem Shop ist längst eine Eventadresse an der Elbe. Kein sächsischer Ministerpräsident hat es bisher versäumt, das Unternehmen zu besuchen. Stanislaw Tillich und Arndt Steinbach wurde eine besondere Ehre zuteil. Sie öffneten die Tore für die erste asiatische Nudel aus Sachsen. „Besser als jede von uns getestete Sorte aus Asien“, bekräftigt Klaus Freidler. Rund 30 Prozent Markanteil hält Riesa in den neuen Bundesländern, fünf in Deutschland. Das sind immerhin 24.500 Tonnen Nudeln im Jahr.

Alles aus einer Hand

Es folgte eine Adresse, die in der Wendezeit noch keine war. Frank Gärtner, Forschungsingenieur im Rohrkombinat in Zeithain, sah wenig Hoffnung für seine berufliche Zukunft. Das Kombinat schrumpfte und auch Mannesmann konnte nicht retten, was nicht zu retten war. Also suchte Frank Gärtner nach einer Marktlücke für ein eigenes Unternehmen. Beschriftung war das Zauberwort. Keine Schrifttafeln oder Nummernschilder, sondern die digitale Kennzeichnung von Produkten, Werkstoffen, Ersatzteilen. Seine Firmenphilosophie „Alles aus einer Hand“ hat prominente Kunden nach Glaubitz geführt: Faber-Castell, Daimler, Good Year, Airbus oder Tetra Pak. Produkte wie Stahlmuffen aus Russland, Autoteile aus Aalen, Duktus Rohre aus Wetzlar, Isoliermatten im Airbus 380 tragen die Schrift von Frank Gärtner und seinen 13 Mitarbeitern. Für den Regierungschef und Diplomingenieur Stanislaw Tillich ein Beweis mehr, dass „ohne Sachsen nichts fliegt, fährt oder sich dreht“.

Das große Aufräumen in Walda-Kleinthiemig

„Mach mal ein Foto von mir und dem Ministerpräsidenten“, rief die kleine Laura. Stanislaw Tillich und Arndt Steinbach hatten sich zum Rundgang durch das vom Tornado schwer beschädigte Kinderheim in Walda-Kleinthiemig angemeldet. Für die 18 Mädchen und Jungen war der Sturm eher Abenteuer, für die Erzieherinnen eine schwere Last. Dennoch ist es mit viel Hilfe gelungen, dass wieder Normalität in das Haus eingezogen ist. Handwerker decken das Dach, reparieren die Fassade und auch im angrenzenden Park wird gründlich aufgeräumt. Nur die alten Bäume sind nicht zu ersetzen. Mit viel Umsicht und noch mehr freiwilligen Helfern hat Oberbürgermeister Burkhard Müller schnell Hilfe für die öffentliche Einrichtung organisiert. An der großen Kaffeetafel gab es dann auch viel Lob für die Stadt. Der Ministerpräsident verteilte Spielsachen und auch nützliche Dinge für die Schule begleitet von aufgeregten Kindern.

Am Sparkurs gibt es keine Abstriche!

Der Landrat, die Oberbürgermeister und Bürgermeister hatten sich gut vorbereitet auf das Gespräch mit dem „MP“. Finanzen für die Stadtsanierung, Bürokratieabbau bei Vergaben, zu viele Förderprogramme, Straßenbau und Feuerwehren waren die großen Themen. Beim Geld gibt es wenig Hoffnung. Auch wenn der Freistaat statt 1,7 nur 1,2 Milliarden 2011 weniger in der Kasse hat, bleibt es beim Sparkurs mit dem Verweis auf das Ende des Solidarpaktes 2019. Mehr Informationen gab es vor der Debatte im Landtag nicht. Zu anderen Fragen wie der Städtebauförderung ist ein Gespräch mit Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière geplant, Schulbauten im ländlichen Raum können künftig über ILE gefördert werden, Förderprogramme werden vereinheitlicht. Rund zwei Stunden stellte sich der Ministerpräsident den Fragen der Kommunalpolitiker.

Ein alter Bauernhof und fünf Hektar Wein

Die letzte Station gehörte dem Weinhaus Schuh, Gewinner des „Marketing Award 2010“.
Auch die Schuh`s schreiben an ihrer Chronik deutsche Einheit. Sörnewitz gehörte vor 21 Jahren bestimmt nicht zur Lebensplanung. Als Walter Schuh mit seiner Frau Martina und den beiden Kindern 1990 das zerfallene Bauerngehöft an der S 82 kaufte und aufwendig sanierte, gab es viele Ideen, aber waren die auch tragfähig? Fünf Hektar Weinberg sind die Basis für das Hotel, das Cafè, die Vinothek. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Inzwischen hat sich die ganze Familie dem Weinanbau und Keltern verschrieben. Doch auch das ist nur ein Angebot unter touristischer Vielfalt mit Perfektion. Die Schuh`s sind eine Top-Adresse für Gäste aus nah und fern.
Es war eine Reise mit historischen Wurzeln, die 2010 weit in die Zukunft reichen.

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