15.02.2010 - Sparmaßnahmen bringen Nachteile nicht nur für den Landkreis Meißen
Im Gespräch mit Landrat Arndt Steinbach
Herr Landrat, Sie sind auch Vorsitzender des Tourismusverbandes Sächsisches Elbland, bereitet Ihnen die aktuelle Sparmaßnahme des Freistaates Sorgen? Schließlich plant er seine Tourismus-Förderung drastisch zu kürzen? Was bedeutet das für den Landkreis Meißen?
Das bereitet mir sogar große Sorgen. Der Tourismusverband Sächsisches Elbland ist bei seiner Haushaltplanung für 2010 von einer adäquaten Förderung durch den Freistaat ausgegangen. Es wurden Verträge bereits 2009 für Messen, Publikationen, Veranstaltungen abgeschlossen in dem guten Glauben, dass diese Vorhaben auch realisiert werden können. Mit rund 97.000 Euro weniger in der Kasse ist vieles jetzt fraglich.
Andere Bundesländer, wie Rheinland-Pfalz, verringern trotz Krise ihre Tourismusförderung nicht und stocken sogar auf. Macht Sachsen einen Fehler?
Eindeutig ja. Ich bin überzeugt, diese Mittelkürzung führt zu Wettbewerbsnachteilen nicht nur für den Landkreis Meißen. Die Fachleute sind sich einig, dass die Zahl der Touristen in Deutschland nicht steigen wird. Aber wir können mit einem guten Marketing Gäste, die bislang im Bayrischen Wald oder an der Nordsee im Urlaub waren, zu uns holen. Das ist aus meiner Sicht Wettbewerb. Mit weniger Geld können wir weniger für uns werben.
Der Tourismusverband Elbland könnte ein Drittel seines Marketingetats und ein Viertel seines Gesamtetats einbüßen. Sind auch Arbeitsplätze gefährdet?
Darüber werden wir in den nächsten Wochen beraten, wenn die konkreten Zahlen aus dem Wirtschaftsministerium vorliegen. Es ist aber zu befürchten, dass auch Arbeitsplätze bedroht sind.
Rund ein Viertel der Wirtschaft im Landkreis hängt vom Tourismus ab. Hat der Landkreis Möglichkeiten, die fehlenden Freistaat-Gelder auszugleichen?
Weder der Landkreis noch seine Städte und Gemeinden können dieses Defizit bei gegenwärtiger Haushaltlage ausgleichen. Wenig nachvollziehbar ist, der Senkung der Mehrwertsteuer für Hoteliers auf Wunsch der FDP – als Wirtschaftsförderung ausgewiesen - folgt die Reduzierung der Fördermittel für den Tourismus in Sachsen. Da stimmen die Relationen nicht.
Mit welchem Tourismusrückgang rechnen Sie jetzt?
Da müsste ich in einer Glaskugel lesen können. Viel schlimmer ist, dass ich unsere anspruchsvollen Ziele, mehr Menschen in das Elbtal zu holen, in weiter Ferne sehe. Schade, denn diese Stimmung drückt auf Investitionen, Kreativität und Freude an der Arbeit. Drei Säulen, die der Tourismus unbedingt braucht.
(Interview SZ-Elbland 13.2. 2010)

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